Nach 3 Wochen in Campinas mussten wir mal wieder raus, und was liegt hier näher als Sao Paulo??

12 Mio. Einwohner, größte Stadt der südlichen Hemisphäre, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Brasiliens (auch wenn die „Cariocas“, die Einwohner Rios, das nicht gerne hören) und die Region mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen ganz Süd-und Mittelamerikas. Wir waren gespannt!!

Zwar sind es nur ca. 100km vom Campinas nach „Sampa“, wie die „Paulistas“ ihre Stadt nennen, doch erst muss der Bus zum Terminal des „Barao Geraldo“, unseres Viertels, genommen werden (ca.25min), dann einer zum Terminal in Campinas (ca. 1h), bevor man in den Fernbus nach Sao Paulo steigen kann (ca. 1,5h). Inklusive, teils sehr langer, Wartezeiten kommt man so auf 4,5h Fahrtzeit, Preis für alle Fahrten waren ca. 74 R$, also ca. 19 € pro Person. Endlich aus den weichen Kissen des letzten Busses gerollt und man steht an einem der ca. ein dutzend Omnibusbahnhöfe in Sampa. Und wieder eine Überraschung zu Rio: An der Tourist-Information spricht man englisch 😮

Also gleich ein paar Pläne, Ausflugstipps und Hosteladressen geben lassen und los ins Metrosystem, für knapp 20 Mio. Einwohner sehr überschaubar: gerade mal 5 Linien, fast so wenige wie in Hongkong…

Wir haben uns zur Prachtstraße, der „Av. Paulista“ lotsen lassen, in einer Querstraße dann zum „Escambo-Hostel“, sehr gemütlich mit handcrafted Bier (gerade sehr im Kommen in Brasilien und Argentinien), selbstgemachten Burgern und netter Belegschaft. Das 14-er Zimmer (mit 6 Mann belegt) gibt’s für 45R$ (12€) pro Person, das 4-er Zimmer für 85R$.

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Rucksäcke abgelegt und erst mal in der Gegend umgeschaut: Wie in Rio leider fast nur 50er bis 80er Jahre Betonblocks, zwar ab und an durch einen übriggebliebenen, netten Altbau unterbrochen, kleine Restaurants, Parks und Strassenmärkte dazwischen. Die „Avenida Paulista“ selbst (mit „Jardin“ eines der besseren Viertel) ist schon beeindruckend, 8-spurig, gesäumt von Wolkenkratzern jeglicher Bauart erinnert sie an Miami oder New York, aber richtig zum Leben erwachte sie erst am Sonntag. Frei von Autos war sie gefüllt mit Fahrradfahren, Skatern, Joggern, Kinderwagen, Livebands und Streetfood-Ständen. Ein Abstecher nach „Liberdade“, dem Chinatown (Sao Paulo hat die größte japanische Gemeinde außerhalb Japans) lohnt sich immer, japanisch angehauchte Straßenlaternen, typisch asiatische Trödelläden, asiatische Supermärkte und Reisküchen. Ein Muss!!

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Abends ging es in die berühmte„Rua Augusta“. Ehemals Rotlichtbezirk, jetzt Partymeile, in der man vom Mexikaner bis zum Griechen, vom Irish-Pub bis zur Churrasceria so ziemlich alles findet. Wer unsere vorherigen Berichte gelesen hat weiß: es ist in Brasilien durchaus ein Problem, gute Restaurants mit internationaler Auswahl und vernünftigen Preisen zu finden. Auch eine kleine Gasse, gefüllt mit Ständen für bolivianische, peruanische, mexikanische, libanesische, französische und asiatische Snacks (und natürlich Burger) hat sich etabliert, uns war danach jedenfalls nach „PARTY“! Zwar war auf der Straße zwar viel los (vergleichbar mit Lapa in Rio), aber endgültig versackt sind wir im “Club Bofetada“, einem Regenbogenclub. 2 Stockwerke, Hits die man sonst nirgendwo mehr hört, Schweiss an der Decke, jede Menge Dramaqueens und entspannte Leute, die nicht nach dem 8. Bier eine Schlägerei anfangen müssen, eher aufs Klo verschwinden 😉 . Nach dem dritten- Getränk wurden wir nur noch eingeladen und so hat sich der Heimweg danach dann doch sehr hingezogen.

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Leider war wohl irgendein Getränk gepanscht und Xenia war dann samstags bettlägerig. 🙁

Naja, passiert leider, mir ging´s 2013 so auf Koh Pangan, der Whisky war wohl eher Spiritus…

Also Couch-Potato-Tag, Sonntags dann ins Künstlerviertel „Villa Mariana“spaziert und von dort aus mit der Metro nach „Villa Madalena“ gefahren, die größte Ansammlung an Grafittis und Streetart in Südamerika!! Schon auf dem Weg zur „Batman-Gasse“ sieht man haushohe Grafittis, Installationen und Strassenmärkte mit handgemachter Kunst. Auch die zahlreichen Restaurants und Shops sind mit Liebe zum Detail gestaltet, in jeder Ecke gibt es was zu entdecken! Schaut Euch die Bilder an… 😉

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Auf dem Rückweg dann gemütlich über die gesperrte „Paulista“ spaziert, war wirklich ein gelungener, entspannter Tag!

Montag Mittag wollten wir mit dem Bus zurück, aber vorher noch auf den “Martinelli Building“. Von der Aussichtsterrasse (geöffnet 9.30-11.30 und 14.00-16.00, Eintritt frei) hat man wirklich einen tollen Blick, zwar keine schöne Stadt, aber allein die Vorstellung, wie viele Menschen hier jeden Tag durch die Betonschluchten zur Arbeit schlurfen…. Dagegen ist Berlin eine Kleinstadt.

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Leider ist das Stadtzentrum zwar weitläufig gestaltet, aber es war auch der einzige Platz, an dem wir unsere Kamera lieber im Rucksack gelassen haben. Obdachlose und zwielichtige Gestalten in jedem Hauseingang, schwarzer und grauer Beton, selbst opulente Reiterstatuen beschmiert und der Gestank nach Urin machen Sao Paulos Zentrum wahrlich nicht attraktiv…

Noch ein kurzer Abstecher zum „Colan“, mit ca. 170.000 qm das größte Wohnhaus der Welt. Und natürlich mitgeplant von Niemeyer 😉

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Auf dem Rückweg dann noch Glück im Unglück: Vom Terminal Campinas schlug das Navi Bus N. 605 „Paulina“ vor, doch auch nach 40 min kam immer nur die N.604. Da aber auch „Paulina“ draufstand und natürlich keiner englisch sprach oder auch nur den Namen unseres Viertels interpretieren konnte sprangen wir halt rein. Die Richtung war zwar dieselbe, aber zwischendurch war der Bus so voll, dass an Aussteigen nicht zu denken war und als wir dann nahe „Paulina“ draußen waren stellten wir fest, dass alle Busse sehr zentralistisch fahren, d.h. wir waren zwar in einem Nebenort, aber hätten erst wieder 1h zurück nach Campinas gemusst um dann einen Bus nach „Barao Geraldo“ zu bekommen -.-

Glücklicherweise hat Xenia gerade einen Busfahrer angesprochen als ein englisch-sprechender Brasilianer uns erklärte: Hier fährt leider kein Bus. Aber kein Problem, ich bring euch rüber! 🙂

Nach 15 min Fahrt und nettem Plausch sagte er nur „Kein Problem, hab ich gerne gemacht“ und wünschte uns noch eine schöne Reise. Zum wiederholten Male wurde uns von einem Einheimischen selbstlos geholfen. Das teils schlechte Image der Brasilianer in dieser Hinsicht können wir zumindest momentan absolut nicht verstehen….

 

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