Hallo zusammen!

Es ist Dezember, die ersten Besucher sind auf dem Weg zurück nach Deutschland; Zeit, den Rückblick für November zu schreiben…

Nasskalt, vernebelt und mit dem ersten Frost, daran denkt man bei „November“. Glücklicherweise läuft das in Argentinien und Chile ein wenig anders 😉

Paso Pehuenche“ ein See in 2000m Höhe

Im schönen Cordoba haben wir Tims Geburtstag gefeiert, anschließend ging es über 2.400m hohen „Paso Pehuenche“ (bei großen Höhen am Besten immer drauf achten, alle verschlossenen Behälter ein Stück zu öffnen wegen des Druckausgleichs, besonders Campingtoilette, Kanister, usw., sonst kriegt alles dicke Backen), vorbei an schneebedeckten Andengipfeln und stahlblauen Gebirgsseen, über die Grenze nach Chile. Der Grenzübergang war sehr entspannt (in Gegensatz zu Paraguay-Argentinien). Freundliche Zöllner, europäische Wartehalle, alles sauber und strukturiert, fast schon langweilig 😉 Da wir schon vorher wussten, dass Früchte und die meisten Gemüsesorten nicht nach Chile eingeführt werden dürfen, war außer zwei Süßkartoffeln und ein paar Zehen Knoblauch nichts zu beanstanden (immer den Prüfer irgendwas finden lassen, sonst sucht er weiter 😉 ). Natürlich wurde auch in einige Kisten und Schubladen geschaut, doch nach 5-6 Minuten war die Durchsuchung vorbei.

 

Neue Freunde treffen

Durch Weinanbaugebiete und malerische Täler kamen wir zu Cecy und Schorsch, die seit ein paar Jahren in der Nähe von Chillan wohnen und sich mit den eigenen Händen ihren Traumhaus aus Holz bauen.

Wenn ihr euch fragt warum man nach Chile auswandert und was die Vor- und Nachteile im Vergleich zu Deutschland sind – hier ist ein kleines Interview mit den beiden:

Interview mit den Auswanderern

Hallo Cecy, Hi Schorsch.

Vielen Dank dass ihr Euch Zeit für uns nehmt! Wir kennen uns ja schon ein bisschen, am besten stellt ihr euch selbst unseren Lesern vor.

  • Ich, Schorsch, 58, liebe Freiheit und die Einsamkeit, hasse Städte außer Cusco in Peru,  bin durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gegangen, nun am Ziel angelangt und lebe meinen Traum.
  • Cecy, Alter wird nicht verraten, in Chile geboren, mit 21 nach Deutschland gekommen, mehr als die Hälfte meines Lebens dort verbracht und teile die Lebenseinstellung von Schorsch.

Was gefällt euch in Chile besser als in anderen südamerikanischen Staaten?

  • Wir suchten auf unserer Südamerika Reise einen Fleck zum einfachen aber nicht kargen Leben. Für Chile haben wir uns dann entschieden wegen der besseren Infrastruktur, allein, wenn wir an unsere Reise zurück denken wie schwer es oft war an Barmittel zu kommen war, was in Chile kein Problem darstellt.

Wie lange lebt ihr schon in Chile?

  • Fest in Chile leben wir seit März 2014.

Wieso habt ihr euch zum Auswandern entschlossen?

  • Da gibt es sehr viele Gründe, einer davon war das wir mehr Zeit miteinander verbringen wollten – das wäre in Deutschland nicht möglich gewesen .Wir leben lieber um zu arbeiten , als das wir arbeiten müssen um zu leben.

Vermisst ihr etwas in eurem jetzigen, neuen Leben?

  • Klar gibt es auch einige Dinge die wir vermissen , kulinarisches z. B. und bürokratische Dinge die in Deutschland in Minuten erledigt sind, können hier schon Tage in Anspruch nehmen.

Schorsch, du hast ein so fantastisches Haus ganz allein gebaut und bist immer noch dabei, wie macht man das ganz allein? Welche Herausforderungen kamen auf dich zu? Was ist der größte Unterschied zum Bauen in Deutschland?

  • Hausbau ? Das ist ein Kapitel für sich 🙂 Ursprünglich waren mal so 70 qm angedacht ….. ja und dann fing ich an zu bauen .Wie macht man das alleine? Man beginnt und wächst mit der Herausforderung. Anfänglich hatte ich es mir etwas leichter vorgestellt und musste feststellen dass viele Hilfsmittel, die in Deutschland verfügbar wären, hier, zumindest auf dem Land, nicht zur Verfügung standen. Da muss man improvisieren und die eigene Muskelkraft so einsetzen, dass man zum Beispiel einen 8 m und ca. 150 kg schweren Nagelbinder 5m hoch hebt; dazu baut man sich Hilfsmittel, verwendet Dinge wie Wagenheber und Lkw-Gurte, die beim normalen Hausbau sicher nie zum Einsatz kämen. Für mich ist der größte Unterschied zu Deutschland, dass ich bauen kann was ich will und wie ich will, ohne Auflagen der Form oder Materialwahl.

Cecy, du bist gebürtige Chilenin und hast lange Zeit im Deutschland gelebt, jetzt bist Du zurück, wo fühlt du dich heimischer? Was sind deine größten deutschen Macken in Chile?

  • Wenn ich ehrlich bin fühle ich mich in Deutschland heimischer. Schorsch sagt immer ich bin deutscher als er zum Beispiel. Ich vermisse die Sauberkeit aus Deutschland, die Zuverlässigkeit, die Infrastruktur, hier muss man für alles an 5 – 6 Stellen laufen gleich ob Ausweis, Auto zulassen oder was auch immer.

Wie würdet ihr Euer Leben in Chile allgemein beschreiben?

  • Das Leben in Chile ist einfacher und viel freier als in Deutschland, das bezieht sich aufs Landleben, in den Städten sieht es da auch wieder anders aus. Wir führen ein ruhiges ausgeglichenes Leben hier ohne Stress.

Habt ihr bestimmte Pläne für die Zukunft?

  • Klar haben wir noch Pläne für die Zukunft, erst mal muss das Haus fertig werden. Dann wollen wir einen Garten anlegen, um uns mit biologisch angebautem Gemüse etc. selbst zu versorgen. Dann will Schorsch noch eine große Werkstatt bauen, um was-auch-immer dort zu machen. Dann steht noch ein Solarprojekt auf unserem Zettel, um unabhängiger zu sein. So werden wir immer weiter wurschteln, vielleicht noch ein wenig reisen, aber nicht nach Deutschland.

Wenn man Fragen zur Eurer Geschichte, Chile oder Hausbau hat, wie kann man Euch kontaktieren?

  • An besten über Facebook 😉 george.herges

Vielen Dank für einen kleinen Einblick in Euer neues Leben. Und jetzt ab zum Grill!!!

 

Wir nutzten die Gastfreundschaft der beiden noch ein paar schöne Tage und besuchten unter anderem den Nationalpark „Los Huemules del Niblinto“ , der nur per 4×4 erreichbar ist.

Autopanne mitten im einsamen Nationalpark „Los Huemules de Niblinto “

Durch teils ausgetrocknete Flussbetten und Geröllpisten kommt man zum Eingang und den Hütten der Parkranger, von dort aus geht es nur zu Fuß weiter zu kristallklaren natürlichen Pools mit Gletscherwasser, herrlichen Aussichtspunkten auf 1100m Höhe und wer will kann sich sogar auf die 50km lange Trekkingtour nach Argentinien machen. Mit etwas Glück sieht man Condore, die Nationaltiere Chiles, Füchse, Luchse, Hirsche und Pumas.

Auf der Rückfahrt blieb der Nissan Terreno von Schorsch leider fernab jeder Siedlung und bei 35 Grad Hitze mitten in einer Geröllsenke stehen. Nichts bewegte sich mehr, absolute Stille! Was auch immer der Wagen hatte, wenn es nicht vor Ort gelöst werden konnte, stand uns ein stundenlanger Fußmarsch bevor und wie ein Abschlepper dann anschließend überhaupt zu dem Auto durchkommen sollte war uns ein absolutes Rätsel!

Zum Glück sind ja zwei Profis an Bord! Nachdem Schorsch und Tim Benzin- und Luftzufuhr gecheckt hatten, machten sie sich an die Zündung. Wenn man einen stockenden oder nicht mehr startenden Benziner hat, macht man sich am Besten systematisch auf die Suche. Da der Terreno eine sehr simple Technik hat, haben die Männer die Zündkabel auf Sitz und Risse oder Verschmorungen gecheckt und sind dann Richtung Zündverteiler und Zündspule auf Fehlersuche gegangen. Siehe da: Die Offroad-Einlage hatte nur das Zentralkabel der Zündspule gelöst. Somit war das Problem nach zwanzig Minuten Bangen erledigt und die wilde Fahrt konnte weiter gehen. Später sagte Schorsch noch, dass die Showanlage doch super zum Adventure gepasst hätte, ein einfacher Spaziergang wäre sonst auch keines Berichts wert gewesen 😉

 

Valparaiso

Nachdem wir einen kurzen Zwischenstopp an einem einsamen Strand mit überwältigendem Sonnenuntergang gemacht haben, kamen wir in der bunten Stadt Valparaiso an.

 

Hier machten wir in der „Villa Kunterbunt“ sofort nette Bekanntschaften und verbrachten lange Nächte mit anderen Reisenden. Der Austausch mit anderen Vagabunden ist sehr wichtig. Auch wenn man gerne allein oder autark mit eigenem Auto reist, sollte man sich immer ab und an in Hostels niederlassen! Die Gespräche, die Menschen stecken voller interessanter Berichte, Erlebnisse und natürlich auch unzähliger hilfreicher Informationen.

Noch war nicht die Zeit sich die Stadt ausführlich anzuschauen, denn schon bald kamen unsere Freunde und es hieß erst mal eine Unterkunft für Silvester zu finden, was in einer so berühmten und beliebten Stadt wirklich nicht einfach war!

Als wir aber diese fast unmögliche Aufgabe Dank der „Villa Kunterbunt“ erledigt hatten, drängte schon wieder die Zeit nach Santiago zu fahren und endlich unsere Freunde am Flughafen in Arme zu schließen!

 

Santiago de Chile

Selbstverständlich ist die Hauptstadt Chiles mit über sieben Millionen Einwohnern beeindruckend und wir hatten auch erlebnisreiche Tage dort, doch dazu und auch mehr über Valparaiso später…

 

Ausgaben

 

Gefahrene km: 2700km
Ausgaben Essen: 533,57 €
Ausgaben Diesel: 246,91 €
Autobahngebühren: 83,48 €
Ausgaben Unterkunft: 400,00 €
Ausgaben Ausflüge& Co: 275,60 €
Internet: 21,42 €
Klamotten: 42,15 €
Öffentliche Verkehrsmittel u Uber: 17,14 €
Ersatzteile: 0,00 €
TOTAL. 1.620,27 €
   
Zickereien: 4
Streit: 0
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