Anfang Oktober arbeiteten wir noch in Campinas; Stefan und Henrique weihten uns in die brasilianischen Gepflogenheiten ein und langsam begann die Regenzeit, mit steigenden Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Trotz der schönen Zeit freuten wir uns auf Paraguay, Iguacu und Argentinien.

Baustelle Caminas Stefan und Tim am Lamellendach
Baustelle Campinas
Stefan und Tim am Lamellendach

Keep on rollin´

Leider war der Monat eher ein Fahrt-Monat, da wir uns auf Grund der hohen Preise in Argentinien und sich schon bald angekündigtem Besuch aus Deutschland dafür entschieden haben, schnell nach Chile durchzurollen.

Trotzdem haben wir in Paraguay mit Werner und Manfred zwei sehr sympathische Typen kennengelernt, es uns in Cordoba gutgehen lassen, die wahnsinnige Weite der Pampa und Höhe der Anden bestaunt und nicht zu vergessen unsere zwei verlorenen Hinterräder wieder rollbar bekommen. „Estrellita“ hat sich gut gehalten und sowohl bei 40 Grad, als auch bei 2.400m Höhe zuverlässig Ihren Dienst getan.

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Beamte und Polizisten sind nicht gleich Beamte und Polizisten

Was man aber durchaus anmerken kann, wenn man in einem Monat drei Länder überquert hat, und somit mindesten drei Grenzen – die Polizeibeamten sind grundsätzlich fast immer freundlich zu uns gewesen. Die Brasilianer wissen nur manchmal nicht was ihr Kollege ein paar Kilometer weiter macht und wofür er zuständig ist, der Paraguayer lässt nie seinen Mate-Tee aus der Hand und der Argentinier versucht schon mal eine Strafe zu erfinden. Manchmal war es nützlich kein Spanisch zu sprechen, manchmal den Guten-Bullen-Bösen-Bullen zu spielen, aber meistens half einfach ein Lächeln und Höflichkeit. Mit Sicherheit haben wir aber auch sehr viel Glück „and sunshine in the pocket“ !

In vielen Reiseblogs kann man eine Gemeinsamkeit finden; nach dem vierten oder fünften Monat fängt man an heimischen Sachen zu vermissen. Uns geht es da auch nicht anders.

Xenia und Tim im Gespräch

Xenia: Tim, was vermisst du gerade?

Tim: Mir fehlt das Einfache, das Verlässliche. Mal an einen Geldautomaten gehen zu können, ohne überlegen zu müssen, welchen Wochentag wir haben und auch die Summe Geld bekommen, welche ich bräuchte. In Argentinien war das nicht möglich. Oder in einen Pub, an dem „Heute Jazz“ angekündigt steht, reinzugehen und dort wirklich eine Jazzband vorzufinden und nicht eine CD-Jazz-Sammlung. Oder jemanden nach dem Weg zu fragen und ein ehrliches „Weiß ich nicht“ zu hören, anstatt mich irgendwohin zu schicken. Auch dass es an jeder Tankstelle Diesel gibt und nicht jedes Mal hoffen und bangen zu müssen.

Xenia: Ja, so geht es mir auch oft, man ist irgendwie immer ein wenig angespannt wenn man in eine Interaktion tritt – geht es heute gut, oder gibt es schon wieder einen Umweg oder eine Ausnahme von der Regel.

Bei mir ist es wohl auch Jahreszeit-bedingt. November ist bereits angebrochen und somit ist Deutschland gerade im Weihnachtsschmuck-Wahn. Ich bin ein absoluter Weihnachtsjunky und wenn ich an meine Freunde denke und mich an die Weihnachtsmarktbesuche erinnere wird es schon ein wenig schwer ums Herz. Der Geruch, das Geschmückte, die Glühweinwärme in den Wangen, das Backen, ja sogar sich mal eine Mütze anzuziehen, das fehlt mir! Das Vertraute allgemein.

Mich stört auch der Müll ungemein. Ich merke, wie sehr ich doch „Grün“ bin 🙂 Jede Plastiktüte, jede Getränkedose tut immer ein bisschen weh. Am Strand, an einer Aussichtsbank, egal wo ich mich niederlasse, habe ich immer das Bedürfnis, den Müll neben mir in einen Mülleimer zu bringen – Sisyphusarbeit hier.

Tim: Aber natürlich sind das alles Kleinigkeiten, die das gesamte Erlebnis nur wenig beeinträchtigen. Gerade die vielen, netten Bekanntschaften und die Freundlichkeit der meisten Menschen bilden einen schönen Kontrast zu Europa.

Xenia: Für den wunderschönen See auf 2400m Höhe am Pass Pehuenche bin ich auch gerne bereit, eine Saison lang auf Plätzchen zu verzichten.

Verändert dich die Reise irgendwie?

Tim: Ja, die Gelassenheit nimmt auf jeden Fall zu 🙂 Und natürlich, wie bei den meisten Reisenden, die Selbstverständlichkeit, mit der man gute Bildung und Umweltschutz, sowie Voraussicht als gegeben annimmt, nimmt stetig ab.

Xenia: Ja die Dankbarkeit dem Zufall gegenüber, dass man einen EU-Pass hat und deutsche Bildung genossen hat wird immer größer! Ich bin genügsamer und auch definitiv gelassener geworden. Wahrscheinlich ist der Bund unseres Heimatkontinents der einzige Fleckchen Erde, wo alles so durchgetaktet und durchorganisiert ist.

Ich mag es z. B. dass es hier keinen Bebaungsplan gibt. Sicherlich sieht es manchmal dadurch sehr chaotisch auf den Straßen aus, aber das macht es auch so viel spannender – man weiß nie was einen hinter der nächsten Ecke erwartet.

Tim: Ich bin auch sehr gespannt, wie unsere Freunde es empfinden werden 🙂

Ein Monat voller Freunde und Liebe kommt auf uns zu

Jetzt freuen wir uns auf den Besuch bei „El Emigrante“, ebenfalls ein „Düdo“-Fahrer, der sich nahe Chillan niedergelassen hat und sein Traum-Holzhaus baut, und darauf, endlich wieder Meer und ab Ende November auch wieder unsere Freunde zu sehen, die uns nach und nach bis Anfang Januar besuchen werden….

Die Ausgaben im Oktober sahen wie folgt aus:

Gefahrene km: 2900km
Ausgaben Essen: 362,74 €
Ausgaben Diesel: 328,59 €
Autobahngebühren: 59,53 €
Ausgaben Unterkunft: 64,28 €
Ausgaben Ausflüge& Co: 207,63 €
Internet: 22,85 €
Klamotten & Co.: 56,00 €
Öffentliche Verkehrsmittel u Uber: 86,54 €
Ersatzteile: 142,00 €
TOTAL. 1.330,16 €
   
Zickereien: 3
Streit: 1
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