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Endlich wieder unterwegs! Nach einer herzlichen Verabschiedung von Stefan rollten wir in Campinas vom Grundstück, machten noch einen Zwischenstop bei Carrefour (Rechtschreibung?) und Decathlon, und los gings Richtung Sao Paulo, um später nach Curitiba abzubiegen.

Die Sonne strahlte, „Estrellita“ lief gut und wir waren Spitze gelaunt. Plötzlich ein Rütteln im Schaltknauf und zwei oder drei Sekunden später hörte ich einen Knall und sah im Rückspiegel eines unserer linken Hinterräder samt Felge über die Autobahn fliegen 😮

Vorsichtig rechts ran ,beim Anhalten gabs noch einen Ruck und wir hatten Schlagseite 🙁
Erstmal kurz durchatmen. Und dann raus um zu schauen was überhaupt passiert ist:

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Hinter uns hielt eine brasilianische Familie an, der Fahrer gestikulierte an seiner Stoßstange rum und deutete unters Auto. Anscheinend hatte er unseren Reifen erwischt und dieser hat ihm ein Teil des Getriebes ausgeschlagen. Doch als er auf meine Frage „Policia?“ nur mit dem Kopf schüttelte und sich meine Telefonnummer geben ließ, dachte ich mir ´Glück im Unglück!` Entweder hatte er keinen Führerschein, das Auto war geklaut oder er hatte was getrunken. Nachdem er sich versichert hatte, dass wir WIRKLICH kein Portugiesisch sprechen, machte er sich wortlos wieder auf den Weg.

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Also erst mal Schadensanalyse: Den verlorenen Reifen eingesammelt, Henrique (den Besitzer des Grundstücks in Campinas), Stefan und Cirano (ein Freund Stefans) angeschrieben, um evtl. dolmetschen zu können und dann mal vorsichtig neben der Fahrbahn zur beschädigten Seite am Bus gegangen. Ergebnis: das verlorene Rad hat zum Glück nicht den Radkasten (GFK) durchschlagen, sondern nur eine Strebe des Hilfsrahmens verbogen und eine Kante des Heckkastens beschädigt. Aber das andere Rad klemmte platt unter der Bremstrommel, 3 Radbolzen waren abgerissen und die übrigen 3 sehr lädiert….

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Hmm, was tun? Henrique versuchte, unsere Versicherung zu erreichen, allerding hatten wir in Argentinien eine Police komplett für MERCOSUR (das südliche Südamerika) abgeschlossen, die Telefonwege waren daher SEHR lang. Im Endeffekt wurden wir an Mercedes-Benz verwiesen…

50m hinter uns war eine Notrufsäule, jedoch waren sowohl Empfangsqualität als auch Englischkenntnisse der Dame am anderen Ende der Leitung ungeeignet.

Als einzige Option blieb die Reifenwerkstatt auf der anderen Autobahnseite (gibt’s in Brasilien an jeder Tankstelle). Vielleicht konnte mir ja dort jemand einen Abschleppwagen rufen. Während Xenia wahrscheinlich lieber nicht hinsah ( Xenia: Doch, HABE ICH und ich hasse dich immer noch dafür! … und du hattest das Portemonnaie :-p ) passte ich die Lücken im fließenden Verkehr ab und rannte (natürlich in Flip-Flops) über die 3-spurige Rodoviaria.

Nachdem ich auf der anderen Seite den Werkstattchef zur Leitplanke geschoben habe und er dann wusste, wo das Problem ist (dass wir auf der anderen Seite stehen), rief er direkt „CCR“ an, die Verwaltungsfirma des jeweiligen Autobahnabschnitts (und somit auch die Mautverdiener).

Wieder zurück am schief stehenden Bus hieß es: Warten!

Nach ca. einer Stunde kam ein Pickup mit zwei Jungs von „CCR“. Die haben kurz Warnhütchen aufgestellt, den Schaden an die Zentrale weitergeleitet und gesagt: Bitte warten!

Da ich selbst ab und an in der Ausbildung Abschleppwagen gefahren hab wusste ich: Es wird ohne Rücksicht auf Verluste der Unfallwagen auf die Rampe gezogen! Also neben den Reifen, Felgen und Radbolzen haben wir später auch noch eine defekte Bremstrommel, eventuell inklusive defektem Radlager und beschädigtem Aufbau. Da die Warnkegel dagelassen wurden, gab es nur eine Lösung: Kegel und Xenia müssen den Verkehr zumindest um eine halbe Spur umleiten, damit ich die Seitenklappe aufbekommen, den Wagenheber raus nehmen und dann wenigstens das platte Rad wieder irgendwie befestigen kann um „Estrellita“ wieder rollbar zu machen.

Das funktionierte, nach etwas Überredungskunst bei Xenia (Xenia: Ja, ab jetzt bin ich ganz toll im Winken!!!), auch ganz gut, aber als ich gerade aufgebockt hatte kamen die nächsten beiden „CCR“-Jungs angefahren und erklärten mir, dass das strengstens verboten wäre (Sicherheit und so) und sie mich mit jemandem englischsprachigem aus der Zentrale verbinden könnten. Der Mann erzählte mir dann, dass in zwei bis drei Stunden der Verkehr soweit abgenommen habe, dass die Polizei eine Spur sperren könne und man mich mit einem LKW-Abschlepper holen kommen könne. Obwohl ich ihm erklärte, dass das wegen fehlender Räder wohl schwierig wird (und umgekehrtes Abschleppen wegen des langen Überhangs auch) hieß es nur wieder: Warten!

Nach einer weiteren Stunde kam ein weiterer Pickup und nahm mich, die einigermaßen schadenfreie Felge und einen unserer Ersatzreifen vom Dach mit. Als wir mit neu bezogener Felge zurückkamen standen auch schon ein Werkstatt-LKW und noch ein Pickup vor Ort. Wir versuchten, das reparierte Rad wieder zu befestigen, um wenigstens langsam zum nächsten Rastplatz mit Werkstatt rollen zu können. Mittlerweile war es dunkel und die heranfahrenden Trucks wurden mit Taschenlampen zum Ausweichen bewegt (soviel zum Thema Sicherheit, Xenia: Eben! Ich hätte es viel besser gekonnt!!!). Mit Schlagschrauber, Hammer und jeweils einer Radmutter von den übrigen Rädern konnten wir die Felge befestigen, dann ging es mit 30km/h eine halbe Stunde zum Rastplatz.

Der nächste Morgen: Als ich aus dem Bus komme schleicht schon der Werkstatt-Chef drum herum, kurze Erklärung und ab vor die Halle. Einer besorgte neue Radbolzen, Sprengringe und Muttern, ein anderer fuhr los um irgendwo neue oder gebrauchte Felgen zu finden. Leider war nur eine in der Nähe auf Lager, daher wurde dann die halbwegs unbeschädigte wieder verbaut. Zwar 2 Bohrungen ausgeschlagen, aber die übrigen 4 Sprengringe und die Flächenpressung sollten das schon halten. Da die neuen Radbolzen relativ locker saßen und bei der Montage der Räder immer wieder in die Bremstrommel rutschten, gab es eine brasilianische Lösung: Ein paar Schweißpunkte später ging die Montage wie von Zauberhand 😉

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Kosten für den ganzen Spaß:

-305R$ für eine gebrauchte Felge, 1x Ventil und Arbeitslohn (2x Reifenmontage)
-250R$ für 10x Radbolzen,-muttern und Sprengringe + Fahrtkosten
-50R$ für Reifenmontage und neues Ventil abends

Sehr positiv:
Abschleppen und 4x Besuch von jeweils 2 Mitarbeitern bekommen: KOSTENLOS!
Dafür zahlt man doch gerne den einen oder anderen R$ Maut 😉

Nun sind wir endlich wieder im Sattel!!!

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6 Comments

  1. Pingback: Résumé Oktober | Star Travel

  2. WoW!

    Das hätte a mal ganz anders ausgehen können. Ich wüde sagen ihr habt Glück gehabt.
    Ich bin immer wieder erstaunt das unsere Busse sich fast überall irgendwie reparieren lassen.

    Auf jeden Fall solltet ihr die Radmuttern von Zeit zu Zeit checken 😉
    Wir wünschen euch weiterhin viel Glück & gute Fahrt

    Gruß

    Gabi & Vasco

    • Xenia Reply

      Hallo!
      Danke dass ihr unsere Seite besucht habt!
      Ja, ab jetzt steht auch ein täglicher Rundgang um das Auto herrum, mit allem Zipp und Zapp 🙂

  3. das sieht ja richtig übel aus, als ich von Iguazu ins Pantanal fuhr, sind mir auch hinten rechts beide Reifen geplatzt, denk mal das der innere schon platt war ohne das ich es merkte und der äußere dann auch net lange hielt.
    Aber ihr habt ja nen ganzes Rad verlohren, habt ihr iwi ne Ahnung wo das Problem war, lose Radbolzen, falscher Luftdruck ect.?

    Gruß Tom

    • Hi,denke mal dass es die Radmuttern waren. Wie auch immer die sich plötzlich gelöst haben 🙁

      MfG, Tim

      • Hallo Ihr, echt Schwein gehabt, nicht umsonst heißt es die BR-116 „Bittencourt“ zw. SP und Curitiba sei der gefährlichste Abschnitt der 4500 km langen BR-116… Hat die Reparatur-Konstruktion denn bisher gehalten? LG, Erik

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