Paraty, ein kleines Städtchen (35.000 Einwohner), irgendwann im 14 Jhd. gegründet, gelegen am Goldweg „Caminho do Ouro“, früher auch Umschlagspatz nach Rio de Janeiro, durch Zuckerrohr Anbau und Sklavenhandel zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gekommen, ist heute ein wunderhübsches, denkmalgeschützes Örtchen von dem man sich angenehm einlullen lässt.

Tim hat diesen Ort auf Grund der Lage und Architektur vorgeschlagen, wir mögen beide Kolonialstil sehr. Und es war eine tolle Entscheidung! Die zähen Wellen der Bucht sind wie dafür gemacht um zur Ruhe zu kommen, die Schlüsse aus dem vorherigen Leben zu ziehen und einen neuen Abschnitt zu beginnen.

Es ist Freitag der 15.07.16, wir kamen am Samstag Abend, den 9.07.16, doch das Gefühl sagt einem dass es vorgestern gewesen ist. Es ist ein paradoxer Ort, die Zeit hat Eigenschaften jungen Honigs, sie umschmeichelt und zieht dich golden und geschmeidig hinterher, doch rückblickend ist es ein guter deutscher Kaffee ( ja, den gibt es ab und an!), wach und zügig fragst du dich, wo die Tage wohl geblieben sind, denn du wolltest eigentlich noch nach Trindade, Stand up paddling lernen, Schnorcheln und 2 Bücher durchlesen…..vielleicht sind es aber auch nur die Reste der allgemeinen deutschen Zügigkeit und ich bin noch nicht weit genug in den brasilianischen Honigtopf gefallen, um die Dinge einfach so laufen zu lassen, wie sie nun mal laufen. Zwei Jahre Planung der Reise drängen die Unternehmungslust und To-Do-Wahn doch noch zu sehr, denn man hat ja so lange drauf gewartet und man will doch alles……

Aber nun von vorne, Samstag Abend musste das Ankommen schon selbst gefeiert werden, die Bar des Hostels „Sereiadomar“  lockte uns sofort mit ihren kleinen gelben Lämpchen und tollem Livesänger Julian zu sich rein. Die Bedienung sprach leider kein englisch, so wie übrigens die meisten hier, doch eine englische Karte hilft da auch schnell weiter. Die Küche ist recht einfach, dafür haben es die Cocktails richtig in sich und 0,66 l Bier für 2,5€ ist auch gut bezahlbar.

Am Sonntag Morgen ist uns, nach ca. einem halben Jahr, das Gas ausgegangen, also haben wir das Hostel von Abend zuvor gefragt ob wir nicht die Gästeküche mitbenutzen dürfen. Für 20R$ (5€) pro Tag wurde uns dann der uneingeschränkte Zugang zum Innenhof, Toiletten und Benutzung des Kühlschranks gewährt. Jetzt ging es an den Strand. Ein wundervoller, glücklicher und sonniger Tag war geboren – das Leben ist toll!

Montag früh fing für mich sportlich an. Der Sonnenaufgang ist zwar recht früh (ca. 6.30), aber bei so einer Aussicht und einem sehr frühen Anbrechen der Dunkelheit (ca. 17.30) ist das Aufstehen auch nicht so hart… Wobei ich da nur für mich spreche und nicht für andere, männliche Mitreisende, die etwas mehr Schlaf brauchen, unabhängig vom Land, Jahreszeit, Zeitzone o.ä.

Ansonsten kann ich über den Tag nicht mehr viel berichten, Früchtesalat, gebackene Bananen, gebratene frische Bratwürste, Salat, Pina Colada, leichter Sonnenbrand und salzige Küsse auf der Haut, mehr brauche ich momentan nicht für einen perfekten Tag!

So zog es sich noch ein oder zwei Tage. Dann ging es auf die Touri-Tour – Paraty musste angeschaut werden. Lustigerweise haben wir uns vor gar nicht langer Zeit eine Doku über Brasilien angeschaut und siehe da, nun schreiten wir auf den Fußstapfen des deutschen Fernsehteams  und sehen, riechen und fassen die selben Dinge an …. für mich schon irgendwie surreal….

Das Städtchen ist wirklich empfehlenswert, aber ich glaube eher in der Nichtsaison, denn es zieht schon viele in- und ausländische Touristen an und dann wird’s voll. Momentan dagegen hat man für alles Platz, man beobachtet die Einheimischen in ihrem täglichem Trott und kriegt eher eine Vorstellung von dem normalen Leben der Einwohner. Beeindruckend ist vor allem die Bauweise von Paraty. Die Altstadt wird regelmäßig bei Hochwasser geflutet. Die Straßen, die noch von Sklaven verlegt worden sind, sind zu Mitte hin abfallend und grob mit Steinen ausgelegt. Die Erdgeschosse der Häuser sind höher gelegen, fast wie Hochparterre und schützen die Bewohner so vor Überflutung der Wohnräume. Alle Häuser sind weiß gestrichen, Fenster und Eingänge mit verschiedenen Farben umrandet, so dass es einen sehr fröhlichen, einladenden Anblick bietet. Als Jalousie dienen zweigeteilte Holztüren / -läden, die sich an heißen Mittagsstunden nur im obersten Drittel aufmachen lassen und so zwar guten Sichtschutz, aber auch gute Durchlüftung bieten.

Einen kleinen Abstecher zum Straßenhändler am Touristenhotspot „Centro Historico“ konnten wir irgendwann nicht mehr vermeiden, aber ein Fußkettchen und ein silberner Ring als Andenken für 3,5€ war aber auch zu verlockend. Da trauten wir uns bei dem Preis auch nicht mehr zu handeln 😉

Am früheren Abend ging es dann wieder Richtung „Casa Estrellita“ wo wir später in der Nähe einen fantastischen Rock-Gig erleben durften, aber dazu später mehr.

Ich hoffe Euch geht es nur halb so gut wie uns, schreibt uns ein Kommentar, stellt uns Fragen, wir beantworten sie sehr gern. Ein Austausch ist uns immer willkommen!

Bis später, Eure Tim und Xenia (Chenja auf portugesch 🙂 )

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