Vor ein paar Tagen ist Tim in Paraty ein Bedford TJ 300 aufgefallen. Der Bus ist ist nicht nur ein Hingucker an sich, sondern ist auch buntbemalt und hat eine Bar mit der Aufschrift „Motorbar“  an der Außenwand hängen. Sehr amüsiert und begeistert über die Idee der Reisenden hat Tim ein paar Fotos gemacht und ist weiter seines Weges gegangen. Vorgestern haben wir doch tatsächlich den Bus ein paar Straßen weiter von uns gesichtet! Also sind wir hin!

Federico, 28 Jahre alt, hat uns entdeckt als wir unsere vierte Begutachtungsrunde um den Bus gedreht haben und hat uns direkt an die Bar eingeladen. Lucas, 30 und sein Bruder, begrüßte uns mit einem breitem Lächeln an der Theke.

Schon ging es los: „Wo kommt Ihr her? Spricht jemand englisch? Was macht Ihr hier?“, usw. Als Federico uns dann erzählt hat, dass sie ihr eigenes Bier im Bus brauen und damit ihre Reise finanzieren, waren wir sofort Feuer und Flamme nicht nur das Bier zu probieren, sondern auch mehr darüber zu erfahren!

Die Brüder kommen aus El Bolson, Argentinien, und haben dort ihre Reise am 12.02.2016 angefangen. Eigentlich wollten die beiden mit einem Boot auf Reisen gehen, aber schnell hat man begriffen dass es zu kostspielig wäre, also schwenkte man auf den Bus um. Da die Jungs schon vorher ihr Geld mit Bierbrauen verdient haben war schnell die Idee geboren die Reise damit zu finanzieren. Nach dem sie den Bus, zufällig 2 Straßen weiter, kauften verbrachten die Brüder ein Jahr lang 8 Stunden täglich um ihn ihren Ansprüchen nach umzubauen und anzupassen. Im Februar ging es dann los.

Über die berühmte argentinische Ruta 40 ging es erst zu ihrer Familie nach Mendoza, dort wurde dann alles nötige für den Brauprozess und einige Ersatzteile eingekauft. Mit guter Laune, viel Zuversicht und einer handvoll Hoffnung fuhren die Jungs dann Richtung Cordoba. Kaum wurden die ersten 700km bewältigt ging auch schon der Kühlschrank kaputt. Eine Katastrophe für die jungen Braumeister! Kaum Geld und die einzige Einnahmequelle drohte zu versiegen.

In der Hoffnung auf dem Weg die passenden Ersatzteile zu finden fuhren die Jungs nach Santa Fe. Dort, in einem winzigen Vorort, hat sich die Not der Jungs schnell rumgesprochen, sodass sich viele Freiwillige fanden, die Bier kauften und so in kürzester Zeit das Geld für die Ersatzteile zusammenkam. Neuer Mut wurde entfacht! Es ging nach Uruguay!

Leider erwies sich Uruguay als eine totale Pleite. Also waren Reis oder Nudeln angesagt. Über Las Flores ging es dann endlich nach Brasilien.

In Curitiba erwartete die Brüder das internationale Bierfest! Wo, wenn nicht in der europäischsten Stadt Brasiliens, findest man die besten Tipps, Kontakte und Erfahrung? Die Jungs haben es dort so gut geschafft das eigene Bier zu präsentieren, dass ihnen sogar eine ganze Zeitungsseite gewidmet wurde!

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Durch die Werbung vom Bierfestival konnten Federico und Lucas anschliessend in Santos einen Brau-Workshop geben und auch dort viele Fans gewinnen. Nun sind sie auf dem Weg nach Rio de Janeiro, um einen weiteren in Curitiba geknüpften Kontakt, ein Hostel, zu besuchen.

Wenn es nach den Brüdern geht, kann es noch weitere 4 Jahre so gehen, und dann? Dann würden sie mal gerne nach Neuseeland, das wäre ihr größter Traum…..

Und so verlassen wir die Jungs nach mehreren Ale- und Lagerbieren mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Es ist großartig zu sehen mit welcher Leidenschaft die Menschen bereit sind alles für das Reisen zu geben. Erfindergeist, um die eigene Träume zu erfüllen, ist immer ansteckend und beneidenswert! Gerne hätten wir noch paar Tage zusammen verbracht, doch die Straße ruft uns nach 2 Wochen Paraty, es geht nach Rio de Janeiro! Wir freuen uns unglaublich auf die Millionenstadt und auch auf den Wahnsinn der Olympischen Spiele!

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