Gerade jetzt nach Paraguay auszuwandern ist vielleicht nicht das Einfachste das man tun könnte, schon gar nicht zu Corona-Zeiten.
Wie wir es doch noch nach Asunción geschafft haben – liest Ihr in diesem Artikel.


Der Anfang

Es ist nun soweit: seit vorletztem Jahr bereiten wir unser zukünftiges Leben in Paraguay vor.
Durch das halbjährliche berufliche Pendeln zwischen Europa und Südamerika sicherlich nicht das einfachste Unterfangen und jetzt, da das Coronavirus die ganze Welt in Schach hält, ist es fast unmöglich geworden.

Da wir beide selbstständige Bauleiter im Schwerpunkt Ladenbau sind, bietet Europa für dieses Jahr keine großen Projekte und Verdienstmöglichkeiten mehr, umso größer wurde der Wunsch wieder nach Paraguay zu fliegen, um dort das Auswandererleben weiter voranzutreiben.

!ACHTUNG! In diesem Artikel, und unserem Blog allgemein, schreiben wir AUSSCHLIEßLICH über unsere privaten Erfahrungen und Meinungen. Wir übernehmen keine Gewährleistung über die Aktualität oder Richtigkeit der Angaben.

Nach einiger, intensiver Recherche wurden wir fündig – es gibt tatsächliche Flüge, Repatriationsflüge! Jedoch unter folgenden Bedingungen:
Sie besitzen:

  1. Aufenthaltsgenehmigung
  2. Investorenvisum
  3. Paraguayische Staatsbürgerschaft
  4. Direkter familiärer Todesfall

Vielleicht sind auch weitere Voraussetzungen möglich, hier aufgeführten sind die, von denen wir Kenntnis haben.

Wir besitzen die Cedula und somit die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Leider sprechen wir noch sehr schlecht Spanisch und schon gar nicht genug um die komplexen Vorgänge bei den Repatriationsflüge nach Paraguay bewältigen zu können. Deshalb haben wir eine „Einwanderungshelferin“ Sonia Klumpp mit dieser Aufgabe beauftragt. Frau Klumpp kümmert sich schon zum wiederholten Mal um die Reparationsflüge.


In diesem Link erfährst du, welche Reisebüros für die Abwicklung der Repatriationsflüge nach Paraguay zuständig sein oder sein könnten, wenn du die Ausreise auf eigene Faust organisieren möchtest.

Flugvorbereitungen

Frau Klumpp benachrichtigte uns über den nächstmöglichen Flug am 30.08.20 von Madrid nach Asunción. Zwei Wochen vor dem Flug fingen wir an, unsere Papiere an die Einwanderungshelferin zu schicken.
Folgende Dokumente wurden gebraucht:

  1. Registro de Salud (Angaben über Krankheiten)

  2. Consentimiento informado (Dass man Hygieneregeln, Untersuchungen usw zustimmt)

  3. Ficho de registro de pasajeros (Anmeldung beim Quarantänehotel)

  4. Declaracion de recepcion informativa (Verhaltensregeln in der Quarantäne)

  5. Reservierung eines Zimmers in einem speziellen Quarantänehotel

  6. Fotos/Kopien von Cedula und Reisepass

Frau Klumpp ist nur eine Vermittlerin, das sollte jedem klar sein, denn die Geschwindigkeit, den Informationsfluss bestimmt nicht sie, sondern die Fluggesellschaft, das Reisebüro.
Wir leben in einer Ausnahmesituation und wir verreisen bzw. fliegen in einer Ausnahmesituation. Südamerika hat seine eigene Geschwindigkeit, seine eigene Art Informationen zu verarbeiten und weiterzureichen.

Flug Frankfurt – Madrid

Da die Abfertigung für den Flug nach Asuncion länger als gewöhnlich dauert, wurden wir gebeten schon einen Tag vorher nach Madrid einzureisen, um bestmöglich pünktlich ( gegen 9.00 morgens, also mindestens 4 Stunden vor Abflug) am Flughafen zu sein. Deshalb hat Frau Klumpp bzw. das Reisebüro, ein 4Sterne-NH Hotel, nicht weit vom Flughafen Madrid, für uns gebucht. Eine Auswahl des Hotels wurden nicht angeboten, da es ein Paketpreis FFM-MAD, Hotel, MAD-ASU war.

Unser Ticket nach Madrid haben wir zwei Tage vor Abflug erhalten, unser Ticket von Madrid nach Asunción gar nicht. Das Einzige, was wir erhalten haben, ebenfalls zwei Wochen vorher, war eine Fluggastteilnehmerliste, auf der nicht nur alle Fluggäste gestanden haben, sondern auch die Flugnummer und Abflugzeit.

Die gesamten Kosten für die Flüge haben wir 10 Tage vor Abflug überwiesen. Falls der Flug doch nicht zu Stande gekommen wäre hätten wir wahrscheinlich einen Gutschein der Airline bekommen.

Unser Flug nach Madrid verlief nicht viel anders als aktuell ein regulärer Flug nach Spanien. Außer der Maskenpflicht natürlich. Ein zusätzliches Gepäckstück konnten wir noch kurzfristig bei AirEuropa online buchen, denn wir hatten ja bereits ein Ticket.

Der Flug am Sonntag nach Asunción war da schon etwas Besonderes.

Flug Madrid – Asunción

Das Hotel hat uns mit einem Shuttlebus pünktlich um 9.00 zum Flughafen Madrid inkl. allem Gepäck gebracht. Im Terminal D herrschte bereits geschäftiges Treiben. Am angegebenen Schalter erblickten wir etwa 200 Menschen in einer sehr langen Schlange, die aber vom Botschaftspersonal und paraguayischen Militär geordnet wurde. Es wurde sehr ordentlich darauf geachtet, dass die Wartenden keine Not- oder Liftausgänge versperrten, nur an der Seite des Gangs entlang standen und teilweise auch den Abstand von über einem Meter einhielten. Maskenpflicht ist obligatorisch.


Nach einer gewissen Zeit ging das Botschaftspersonal, das auch etwas englisch sprach, der Schlange entlang, maß die Körpertemperatur und notierte diese neben dem entsprechenden Namen auf einem Tablet. Es wurden Nummern für den entsprechenden Listenplatz in Unterlagen verteilt, um einen schnelleren Überblick zu behalten. Jeder Registrierte trug gut sichtbar die Nummer auf der Brust.

Nach erstaunlichen flotten 1,5 Stunden haben wir, sehr zügig, unser Gepäck ( je Person ein Koffer von 23kg) aufgegeben und einen zusätzliche Koffer (23kg für Zusatzgebühr von 120$) bezahlt. Wenn wir Übergewicht hätten ( maximal jedoch nicht schwerer als 32kg pro Koffer) hätten wir auch noch mal zusätzlich 120$ bezahlen müssen.
Zusammengefasst:
Pro Person ein Koffer von 23kg, ein Handgepäckstück max. 10kg und eine Laptoptasche sind kostenlos.
Zusätzlicher Koffer bis 23kg.: 120$
Aufstockung der KG bis 32kg.: 120$

Nach der Gepäckaufgabe ging es aber auch ganz regulär weiter: Security-Check, Duty Free, Boarding. Allerdings alles in einem separaten Terminal.

Der Flug

Im Flieger mussten wir unsere Masken natürlich weiterhin aufbehalten, woran sich auch alle Passagiere gehalten haben. Das Multimedia-Angebot im Dreamliner war außerordentlich gut. Alle Filme waren auf fünf Sprachen verfügbar, von aktuellen Hollywood Filmen bis Klassikern war für Jeden was dabei.

Das Essen war dagegen mäßig. Es gab nur ein Menü (Nudeln Bolognese), Kaffee oder Tee, eine 0,5l Flasche Wasser, das war´s.
Nach etwa 11 Stunden, kurz vor der Landung, gab es abgepackte Sandwichs mit Wasser. Zwischendurch kein Service, kein Wasser, kein Personal weit und breit. Sehr schade!

Flughafen Asuncion

Nun fing der wohl spannendste Teil unserer Reise an – Ankunft Flughafen Asunción, Paraguay.

Als wir ans Gate rollten standen bereits alle Hotelbusse, private Autos und Militär Spalier – ein wirklich beeindruckendes Bild 🙂

Danach, wie in Südamerika üblich, Alte und Familien mit Kindern verlassen den Flieger zuerst, danach der Rest.
Beim Verlassen des Fliegers wurde Temperatur gemessen, es gab neue Masken für alle, Passkontrolle, dann Gepäckabholung, dann eine seeeeeeeeeeehr lange Wartezeit zum Medizincheck, der überraschenderweise daraus bestand, dass wir unsere vorher ausgefüllte Formulare zu unserem bisherigen und zukünftigen Aufenthaltsorten und unsere persönliche Daten an die medizinischen Beamten übergeben haben. Das war´s!!!

Anschließend wurden wir von Polizisten zum jeweiligen Fahrzeug begleitet, es wurde sichergestellt, dass man ins richtige Shuttle oder Auto gesetzt wurde und ab ging die wilde Fahrt ins Hotel.

Hotel

Frau Klumpp hat uns bereits zwei Wochen vor dem Abflug Informationen per WhatsApp über einige Quarantäne-zertifizierte Hotels zukommen lassen. Die Buchung des Hotels hätte man der Frau Klumpp überlassen oder es selbst durchführen können.

Wir haben uns für das „Westfalenhaus“ entschieden. Das Hotel wird von einer deutschen Familie geführt und genießt einen guten Ruf in Asunción. Die Kommunikation mit dem Hotel haben wir selbst geführt. Die Rechnung für die 14 Tage in einem Zwei-Zimmer-Hotel-Appartement für 580.000 GS die Nacht für 2 Personen, Vollverpflegung (Frühstück, Mittag, Kaffee, Abendessen) mussten wir sofort, also etwa 14 Tage vor Abflug begleichen. Für den Fall des Flugausfalls wären die Hotelkosten nicht zurückerstattet worden.
Das Menü- bzw. die Speiseauswahl trifft das Hotel selbstständig. Einer unserer Zimmernachbarn ist Vegetarier und wir sehen, dass er durchaus auch alternative Verpflegung hat. Im Großen und Ganzen, falls Allergien vorhanden o.ä., kann man das wahrscheinlich schon mit dem Hotel vorher abklären, aber pauschal gesagt ist das Essen vollkommen bekömmlich und schmackhaft. Wir persönlich gehen nicht von deutschem Standard in einem paraguayischen Hotel aus. Die Menge für uns ist mehr als ausreichend, Früchte und Fruchtsäfte werden 2-3 mal am Tag zu den Speisen dazu gelegt und falls wirklich was „Besonderes“ gewünscht ist, rufen wir die Rezeption an und fragen höflich nach, ob etwas eingekauft werden kann. So haben wir löslichen Kaffee, grünen Tee, einige Flaschen Milch und Joghurt bekommen. Es sind 14 Tage, kein Jahr 😉

Die Essensübergabe erfolgt an einer Übergabestation. Zu den vordefinierten Zeiten klingelt unser Zimmertelefon und man informiert uns über das Bereitstellen der Mahlzeit. Wir gehen, mit einer Maske bekleidet aus unserem Zimmer zu der Übergabestation (Ein Tisch im Flur) und holen dort unsere Pakete ab.

Unsere Bettwäsche wechseln wir selbst, heute nach 6 Tagen wurde uns ein frisches Päckchen bereit gelegt. Schmutzwäsche und den Müll packen wir in Tüten, bespritzen ihn mit Alkohol (vom Hotel bereit gestellt) und legen ihn bei der Übergabestation ab.

Alles in Allem wird die Quarantäne aber sehr genau hier genommen. Vor dem Hoteleingang haben wir durch unsere Fenster schon mehrmals das Gesundheitsamt und Security gesehen. Alle haben durchgehend die Masken an, die Passanten auf der Straße, ähnlich wie in Deutschland, tragen keine Masken.

Hausquarantäne

Von einem Freund, der zufälligerweise mit dem Repatriationsflug mitgeflogen ist, wissen wir, dass seine Frau in Caacupe die häusliche Quarantäne beantragt hat. Das paraguayische Gesundheitsamt hat das Haus überprüft und einige Regeln aufgestellt. Man solle sich auf unvorangemeldete Kontrollen einstellen, so sagte man ihr.

Corona-test

Gerade (Mittags, 5.9.2020, Asunción) wurde bei uns ein Corona-test durchgeführt.
Wartezeit: 48-72Std., aber 14 Tage bleibt man trotzdem in der Quarantäne, unabhängig von dem Ergebnis. Das Ergebnis kann man online abrufen.
Auch bei unseren Freunden in Caacupe sollen heute oder morgen die medizinischen Beamten eintreffen um ein Corona-test durchzuführen.

Fazit

Es sind besondere Zeiten und in besonderen Zeit passieren besondere Dinge.
Eine Auswanderung in solchen Zeiten zu unternehmen, bedarf viel Nerven, Zeit und Toleranz. Wir sind allen Helfern dankbar, die uns entgeldlich und unentgeldlich unterstützt haben.
Wir sind momentan sehr zufrieden und investieren unsere freie Zeit, um Spanisch zu lernen und unser Business schon mal digital vorzubereiten. Wünscht uns Glück!

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden!

4 Comments

  1. Na dann viel Erfolg und gute Ideen euch beiden….kommt alles langsam wieder in Gange hier. Die Bevoelkerung ist ganz anders als in EU-Europa .

  2. Eine Information noch bitte: Unter welchen Bedingungen ist die häusliche Quarantäne möglich?

  3. Ich hätte Grade ganz böses Kopfkino….
    Ihr geht mit einer Maske bekleidet zur Essensausgabe !!
    ….sonst noch Kleidung dabei ?
    Es muss an der Uhrzeit liegen !!

Write A Comment

error: Content is protected !!