Nach zwei Wochen Großstadt dürstet es uns nach ein wenig Ruhe. Lonely Planet schlägt uns da „Tiradentes“ -das brasilianische Saint-Tropez- und „Conghonas“ -das für die Wallfahrtskirche und die zwölf lebensgroßen Statuen der Propheten berühmt ist- vor.

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Auf dem Weg ins Landesinnere verbringen wir einige Tage im Tauchparadies „Arraial do Cabo“. Die Strände dort sind himmlisch, groß, weiß und recht ruhig. Eine Tauchtour können wir euch auch nur empfehlen. Es war unsere Erste und daher sind wir natürlich umso mehr begeistert, obwohl die Jungs von „Acqua World“ kaum englisch sprechen, kümmert sich die englischsprachige Fotografin um so mehr um uns; sie übersetzt alle Anweisungen und macht auch schöne Fotos von unserem ersten Tauchgang. Die Ausrüstung sieht zwar etwas mitgenommen aus, jedoch fühlen wir uns keine Minute unsicher und bei einem Preis von 50€ pro Person für die komplette Ausrüstung, 40 min Tandem-Tauchen, kleinem Snack und die Bootsfahrt ist es vollkommen OK!

Die restlichen paar Tage verbringen wir mit Fotografie, Wäsche waschen und Jobsuche, die uns später zurück nach „Campinas“ bringen soll, aber dazu später mehr…

Am Freitag verlassen wir den Strand und fahren Richtung Petropolis. Die Bundesstrasse 107 ist sehr zu empfehlen, da sie einen wunderschönen letzten Blick über Rio de Janeiro und Niteroi bietet und sich über unzählige Serpentinen auf Kopfsteinpflaster über die Berge schlängelt.

Petropolis scheint auch eine schöne Stadt zu sein, wie soll es sonst bei einem ehemaligen Kaisersitz auch anders sein, der Regen macht uns aber einen Strich durch die Rechnung und so ist es uns nicht gegeben das Museu Imperial, die kleinen Villen drum herum und Palácio de Cristal zu besichtigen.

Dafür entschädigt uns Tiradentes und unser Campingplatz um so mehr. Kurz vor dem 10 tägigen „Festival Cultura e Gastronomia Tiradentes“ scheint die Stadt wie im Dornröschenschlaf zu liegen. Wir steigen einsame, steile Straßen hinauf, genießen die Ruhe bei der Kirche von Santo Antônio von 1710/1736 und spazieren an absolut menschenleeren Touristenständen, Dorfplätzen und Parks vorbei. Das über 300 Jahre alte Dörfchen scheint einem Puppendorf entsprungen zu sein; niedrige Bauten, bunt, überall Grün und zum Schluss fährt auch noch eine historische Dampfeisenbahn „Maria Fumaça“ an uns vorbei. Man muss aber auch erwähnen, dass es auch eine sehr touristische Stadt ist. Restaurants und Souvenierhändler wechseln einander ab und die Preise sind natürlich auch höher als anderswo. Es ist aber auch ein Tipp an die Möbelinteressierten. Nirgendwo sonst in Brasilien haben wir so schöne Möbel gesehen wie hier! Natürlich ist es alles Geschmackssache, wer jedoch recyceltes Holz, einfache Holzmöbel, Ledersitzgarnituren und große Esstafel mag, ist hier genau richtig!

Leider können wir nicht sehr viel zu dem „Festival Cultura e Gastronomia Tiradentes“ sagen, da es einfach nicht in unser Budget passt. Wir sind uns sicher, dass Brasiliens größtes Gastronomiefest sehr leckere Weine und Gerichte bittet, doch deutsche Preise (Teller Paella ca. 8€, kleiner Burger 7-9€) sind auf unserer Reise einfach nicht drin. Außerdem sind die noch vor einigen Tagen so ruhigen Gässchen absolut überfüllt und laut, die Kutschenfahrer stehen an jeder Ecke und Autos kriechen im Schneckentempo parallel zu Fußgängern, auf der Suche nach einem Parkplatz, 5 cm an einem vorbei….. nein, da sitzen wir lieber im Hof unseres Gastgebers „Camping Joao Mineiro“, 2km weiter von Zentrum entfernt und genießen seinen selbstgemachten Cachaca.
Den Campingplatz und Pansion „Joao Mineiro“ können wir euch auch nur wärmstens ans Herz legen. Hans ist ein sehr hilfsbereiter und freundlicher Wirt. Er spricht schweizerdeutsch, deutsch, englisch und portugiesisch, kümmert sich um alle Belange seiner Gäste und serviert auch Frühstück (bei Bedarf auch Mittag- oder Abendessen). Am frühen Morgen schauen schon mal paar Pferde vom Nachbarhof vorbei und die Rebhühner sind eine Augenweide (leider zu scheu für die Fotokamera). Wir fühlten uns sofort wie bei einem alten Onkel zu Besuch – ein Traum!

Also entscheiden wir uns schnell ein paar Tage länger hier zu bleiben; es sind paar Reparaturen an Estrellita zu machen, schnelles Internet verleitet auch zu notwendigen Arbeiten an unserer Homepage und unzählige Skypegespräche sind schon sowieso längst überfällig. So realisiert man wieder schnell was für ein Glück wir haben diese Reise machen zu dürfen und über die Zeit frei verfügen zu können. Das Leben ist schön!!!

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