Von der paraguayischen Hauptstadt Asuncion aus fuhren wir über Clorinda nach Argentinien hinein. So entspannt wie Uruguay-Brasilien oder Brasilien-Paraguay war es allerdings nicht.

Grenze Paraguay-Argentinien: Schnuppern, röntgen, Handaufhalten

Direkt an der Grenze kamen sofort zwei Einweiser in Zivil zu uns und zeigten uns einen freien Parkplatz, der auch für uns gut sichtbar war und die paraguayischen und argentinischen Schalter, die ebenfalls vor uns gut beleuchtet da standen. Danach gab es die aufgehaltene Hand für eine Aufwandsentschädigung 😉 , in diesen Momenten sich bloß nicht verunsichern lassen! Wenn es offizielle Anweiser sind, weisen sie sich in jedem Land aus und auf eine Uniform ist in Südamerika jeder stolz – also mutig Luft holen und sich nicht einschüchtern lassen!

Die Formalitäten selbst sind schnell erledigt, Pässe aus- und einstempeln, Versicherung und Dokumente für „Estrellita“ prüfen, fertig!

Da Wohnmobile immer so unübersichtlich sind und zum Glück niemand Lust hatte Alles auszuräumen, wurden zwei Hunde durch unseren Bus geführt und anschließend wurde er noch komplett geröntgt. Weder Werkzeug (Heißluftföhn, Silikonspritze, Nagelpistole,…) noch Küchenutensilien wurden beanstandet, wahrscheinlich hätten auch Sprengstoff oder zerlegte Schnellfeuergewehre keine Aufmerksamkeit erregt, aber wer weiß. Nach etwa einer Stunde waren wir froh, dass wir offensichtlich sehr vertrauenswürdig aussahen und keiner Lust verspürte den Gringos das WoMo zu leeren!

Als wir wieder hinter dem Steuer saßen war es schon wieder dunkel geworden, also wollten wir an der nächsten Raststätte pausieren, außerhalb der Grenzstadt kam aber ca. 100km weit keine. So mussten wir im Dunkeln Vögeln, Schlaglöchern, Bremshügeln und toten Tieren auf der Straße ausweichen. Endlich, 1,5 Stunden später an einer Tankstelle angekommen wunderten wir uns noch schnell über die hohen Diesel- (0,92 €), Benzin- (1,05€) und Snackpreise (Kaffee 2,50€) an der Tankstelle und dann sind ab ins Bett.

Geldlos in Formosa

Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, erst ein mal zum Geldautomat in Formosa. Vier Banken haben wir mit unserer DKB-VISA Karte abgeklappert – nichts! Die Banken wollten uns einfach kein Geld geben! Das Problem dabei: die Autobahngebühren sind nur Bar zu entrichten, d.h. ohne Moneten keine Weiterfahrt. Später bestätigte uns einer von den unzähligen Polizeikontrollbeamten, dass man in Argentinien an Sonn- und Feiertagen kein Geld aus Geldautomaten bekommt.

So saßen wir, die armen Touris aus Deutschland ohne einen Peso in der Tasche! Zum Glück haben die Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte auch am Sonntag in Argentinien auf und private Marktwirtschaft sagt nie „No“ zu Plastikgeld. Auch hier hielt unsere Verwunderung über die hohen Preise weiter an. Die Preistabelle findet ihr hier.

Übersichtliche Landschaften

Als am Montag dann endlich der ATM das ratternde Geräusch der Geldausgabe von sich gab, gab es für uns kein Halten mehr und wir waren “on the Road again” !

Die kommende Tage gab es nur Polizeikontrollposten (ca. jede 100km), Weidezäune, Kühe, allerlei tote Tiere am Straßenrand und sumpfige Wiesen über hunderte Kilometer zu sehen, bis Córdoba. Da wir relativ schnell in Chile sein und uns später noch einmal ausführlich mit Argentinien beschäftigen wollten, war Córdoba unser einziger längerer Stopp.

Córdoba, ein verschlafenes Studentennest von 1,3 Mil. Einwohnern mit sau-coolen Kneipenstraßen

Die Stadt (hier ist ein schöner SWR-Film über die Stadt) ist zwar lebendig und hat einige sehr nette Kneipen, Museen, Kirchen und Restaurants, aber für mehr als zwei oder drei Tage hat sie leider nichts zu bieten. Selbst das schöne Freibad aus den 1920er Jahren war geschlossen und noch nicht einmal gefüllt, trotz 33 Grad…. 🙁

Wenn man sich aber doch entschieden hat ein Wochenende hier zu verbringen, dann sollte man Tagsüber die Museen der Schönen Künste „Museo Superior de Bellas Artes Evita“ und das neuere und viel Größere „ Museo Superior de Bellas Artes Emilio Caraffa“ und die schöne Altstadt mit der „Plaza San Martin“ besuchen, ab 18.00 sind die wunderschönen Jesuitenkirchen: “Iglesia de la Compania de Jesus” und die „Iglesia Catedral“ für die Besucher kostenfrei geöffnet. Ab ca. 20.00 oder 21.00 sollte man sich unbedingt im Viertel „Güemes“ einfinden – klasse Kneipen, Restaurants und immer eine freundliche Bedienung!!!

Unseren abendlichen Arbeitsplatz haben wir im „Rooftop“ aufgeschlagen, das schicke Restaurant im Industrie-style hat nicht nur einen gemütlichen Innenhof, sondern auch eine coole Dachterrasse. Die Speisen sind lecker, die Coctails wirklich toll und das Internet ist auch nicht von schlechten Eltern! „The Journey“ und „El Mentidero de Gümes“ sind auch absolut zu empfehlen! In Letzterem ist oft Livemusik und der Passage in der sich die große Kneipe befindet, sind auch viele anderen Gastronomien ansässig.

Grenzübergang „Paso Pehuenche“

Da wir uns rund 1.000 km Umweg nach Chillan sparen wollten, aber den 3.200m hohen Tunnel zwischen Mendoza und Santiago (Hauptroute für LKWs) auch nicht ansprechend fanden, haben wir uns für den ca. 2.400m hohen „Paso Pehuenche“ entschieden. Ab „San Luis“ bis „San Rafael“ geht es durch tristes Buschland, nur unterbrochen von einer Desinfektionsstation an der Grenze des Bundesstaats „Mendoza“ (kostet 190 Arg.Peso, Früchteeinfuhr ist verboten!) und einigen Flüssen, die wir zur Abkühlung genutzt haben. Kurz nach „San Rafael“ allerdings kommt man durch Wein- und Olivenanbaugebiete und fühlt sich wie in der Toskana, wirklich schön!!

Langsam schraubt sich die einsame Landstraße Richtung Anden, durch riesige Flusstäler, vorbei an den ersten schneebedeckten 4.000ern, bis wir den letzten Posten auf argentinischer Seite „Las Loicas“ erreichten. Es ist ein verschlafenes Nest mit Zollstelle, Campingplatz, Kneipe, Schule und ca. 150 Einwohnern auf 1.600m direkt im Tal des Rio Colorado. Hier genießt man noch die komplette Abgeschiedenheit, ohne einen winzigen Balken Netz oder Internet.

Lago de Maule“ – ein Stausee auf 2.400m Höhe

Nach einer ersten kalte Nacht seit Monaten, sind wir am nächsten Tag nach einer sehr unproblematischen und schnellen Passkontrolle in Richtung Chile gerollt. Über die Schneegrenze, an surreal riesigen Landschaften, die die Alpen wie ein Mittelgebirge aussehen lassen vorbei und auf der höchsten Stelle taucht der „Laguna de Maule“ auf – ein Stausee auf 2.400m! Azurblaues bis smaragdgrünes Wasser, umrahmt von kilometerhohen Geröllfeldern und nur bewohnt von Füchsen, Nagetieren und Raubvögeln. Sollte man unbedingt mal gesehen haben!! Noch kurz über den chilenischen Grenzübergang (sehr nett und fast europäisch!), an dem wir natürlich alle Früchte, Süßkartoffeln und Knoblauch abgeben mussten, und schon lag Argentinien hinter uns.

Mit Sicherheit werden wir uns dieses Land noch einmal genauer anschauen, besonders natürlich Buenos Aires!

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4 Comments

  1. Silvia Hinckeldeyn Reply

    Schader, dass ihr nicht die schönen Seiten Argentinies gesehen habt. Paraguay rüber bei PAsos de los Libres durch Misiones . Jesuiten Ruinen, Mate Tee Plantagen. und natürlich die Iguazu Fälle.
    Nach COrdoba dann San Luis mit Valle de la Luna und Salta dann über MEndoza nach Chile.
    Wahrscheinlich hat euch Chile besser gefallen, da es sehr europäisch geprägt ist und noch konservativ. (die alte hispano Mentalität ) Wünsche euch weiterhin viele Abenteuer und neue Welten entdecken.

    • Xenia Reply

      Hallo!
      Ja, wir hoffe auch noch, dass wir es noch mal nach Argentinein schaffen 🙂
      Lustigerweise hat uns Chile zwar auch gut gefallen, aber nicht besser – WEIL es europäischer ist 😀 Wobei Valle de la Luna absolut wahrsinnnig beeindruckend ist!!!
      Wir werden es aber noch ganz bestimmt bis Buenos Aires und Santa Fe schaffen! Drückt uns die Daumen!!!
      GLG Xenia und Tim

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