Nicht nur Verschiffung des eigenen Wagens kann seine Tücken haben, sondern auch die Einfuhr.

Wie ihr ja schon wisst haben wir unseren ersten Van „Estrellita“ per Ro/Ro verschifft. Unseren aktuellen Mercedes 308d „Gordo“ haben wir in Hamburg in einen Container packen lassen und fünf Wochen später in Valparaiso, Chile, abgeholt. Hier dazu eine kurze Beschreibung und Tipps, was ihr bei der Verschiffung und besonders bei der Einfuhr bzw. dem Auslösen aus dem Hafen beachten solltet und warum sich ein Zollagent in den meisten Fällen doch lohnt.

  1. Einen Agenten, bzw, eine Shippingagentur in Deutschland suchen

Macht euch über Foren (z.B. Panamericana-Forum, Weltreise-Forum, links bitte raussuchen) schlau, sammelt Erfahrungsberichte oder googelt einfach. Wichtig ist eine Aussage über den GESAMTPREIS, also inklusive Verpackung, Containermiete, Zollgebühren im Starthafen, Steuern usw. Was bei der Planung Spielraum verschafft ist die Möglichkeit, das Fahrzeug ein paar Tage oder Wochen vorher bei der Agentur abzugeben und dann später verschiffen zu lassen. Wir haben mit GTC gearbeitet, außer fehlender Erfahrung mit den Kosten im Zielhafen und einer Woche Verzug beim Verladen war alles unkompliziert und preiswert.
Man schickt eine Kopie des Reisepasses und der Wagenpapiere, parkt seinen Van auf einem verschlossenen Gelände, verstaut alles, gibt den Schlüssel ab und das war es schon. Alles läuft über Email und Telefon ab.

  1. Kosten im Zielhafen kalkulieren

Wir können hier nur über Südamerika (in unserem Fall Valparaiso und Montevideo) berichten, in Afrika, Nordamerika, Australien, Asien werden die Zusatzkosten aber eventuell ähnlich sein. Grob könnt ihr mit 1.000 € ZUSÄTZLICH zu den reinen Verschiffungskosten kalkulieren, lieber etwas mehr einplanen und dann sich freuen, falls es weniger ist 😉

  1. Einfunhr des Vans im Zielhafen

Die Auslöse des Wohnmobils ist hier doch nicht so einfach:
Normalerweise sollte das ja mit einer kurzen Zollkontrolle, Passkontrolle zur Personenfeststellung und Fahrgestellnummerkontrolle zur Fahrzeugzuordnung getan sein, denkt man.

Falls man beim Ro/Ro-Transport mitfährt ist es auch so:
Das Fahrzeug gilt als „Gepäck“ und muss weder verzollt noch registriert werden. Man erhält z.B. in Montevideo sein Visum, das Fahrzeug auch eins, die Versicherung, die man für MERCOSUR dringend benötigt (wird gern an Grenzen kontrolliert), wird gecheckt und man rollt aus dem Hafen.

Beim Containertransport lief es aber bei uns so:

Noch in Deutschland wurde uns von GTC der „Bill of lading“ (B/L), also der „Schiffsfrachtbrief“, per Post zugestellt. Den benötigt man UNBEDINGT im ORIGINAL!! In Chile haben wir dann eine Rechnung von „Seafair“ (der Frachtgesellschaft) per Mail bekommen, leider waren selbst mit Google-Translator die Antworten so unklar formuliert, dass nicht herauszubekommen war, ob unser Original-BL reicht oder ob Seafair noch ein anderes Dokument schicken muss, um unser Fahrzeug auszulösen.

Nach einigen Falschaussagen sowohl von einem anderen Zollagenten (sozusagen Behördenhelfer) als auch vom Zoll selbst, haben wir uns dafür entschieden das Ganze doch mit einem Agenten durchzuziehen und das war auch gut so!

Passierschein A38 auf chilenisch, oder Wegweiser durch chilenisches Zolllabyrint:

Der Original-Bill of loading muss beim Sea Fair in Santiago gestempelt und die Zahlung der Verschiffungsagentur-Gebühr bestätigt werden.

Also in den Fernbus, zwei Stunden Valparaiso-Santiago, dann noch eine Stunde Metro, ins Seafair-Büro, dort hat man die Rechnung leider nicht gefunden und mir erzählt, ich hätte Dollar-Konto auf ein Euro-Konto überwiesen, was nicht ginge. Nach ein paar Diskussionen in schlechtem Spanisch und genauso schlechtem Englisch habe ich die Mitarbeiterin des internationalen Unternehmens vom Gegenteil überzeugen können und den Stempel doch bekommen und bin wieder die drei Stunden zurück nach Valparaiso.

Am nächsten Tag musste der Container noch „gratifiziert“ werden (was auch immer das heißt), dazu musste die Reederei (Hapag Lloyd) das Bill of loading überprüfen und teilte mir dann mit, zu welchem Containerlager unser verpackter Van gebracht wird. Natürlich wird eine Gebühr dafür fällig, die man aber nicht vor Ort zahlen kann, sondern die mittels Scheck bar bei der Bank eingezahlt wird.

Mit den Infos der Reederei konnten wir einen Termin für zwei Tage später beim Containerlager machen.

Dort weist man sich aus, bekommt ein Formular, das Bill of loading wird kontrolliert – man bekommt ein Formular, die Fahrgestellnummer wird kontrolliert – man bekommt ein Formular, dann geht es zum nächsten Büro um zu bestätigen, dass die Einfuhr des eigenes Fahrzeugs als Tourist mit Visum nicht versteuern muss – man bekommt ein Formular. Mit den Papieren sucht man das Büro der Rechnungsabteilung, die einen ungefähren Preis ansetzt, wir hatten Glück und mussten weder Gebühren zur Ungezieferprüfung noch zur „erweiterten“ Zollkontrolle zahlen – man bekommt , ja genau, ein Formular und dieses mal mit einem Rechnungsbetrag. Da man ja jetzt bestätigter Besitzer seines Vans ist, kann man das Touristenvisum dafür beim Zoll beantragen, er sitzt jedoch am Hafen von Valparaiso. Also 20 Minuten mit dem Taxi zum Hafen, am Zoll 30 Minuten auf das Visum warten und ja (!) man bekommt wieder ein Formular und schon ist „Almuerzo“ – Mittagspause.

Zwei Stunden später ging es wieder hoch zum Containerlager, dort wurde das temporäre Visum kontrolliert und mal wieder ist man ein Formular reicher, die oberflächliche Zollkontrolle durchgeführt natürlich auch mit Hilfe eines Formulares und ENDLICH alle Formulare zusammen im nächsten Büro zusammengefasst und kopiert. Zusätzlich bekam ich ein Formular, dass die definitive Summe der Gebühren ausweist. Damit konnte ich endlich zur Zahlstelle, vorher muss jedoch erst die Rechnung geschrieben werden (was 25 Minuten und 3 Telefonate lang gedauert hat). Jetzt nur noch am Kassenschalter anstehen, bezahlen, mit dem Van zur Checkout-Schranke, wieder zurück zum Posten vorher (der Wächter an der Checkout-Schranke ist nur für Waren zuständig, nicht für Fahrzeuge), beim Fahrzeug-Verantwortlichen ein „jaja, schon ok“ ohne jegliche Prüfung abholen, bei der Checkout-Schranke mit „jaja, alles ok“ durchfahren und schon war alles erledigt 😀 In nur fünf Stunden….

Einfuhr-Kosten in der Übersicht

GTC (Verpackung, Containermiete, Hafen-/ Zollgebühren Hamburg)   2.250,00 €
Seafair (Speditionsgebühr Chilenische Seite) 232 $ 201,00 €
Valparaiso-Santiago-Valparaiso 5.720 CHP 8,00 €
Hapag Lloyd (Gratifikation Container) 121.530 CHP 165,00 €
Containerlager (Zoll, Entladung, Gebühren) 253.600 CHP 344,00 €
Zollagent   280,00 €
Taxi 4x 20 min 20.000 CHP 27,00 €
Gesamt   3.275,00 €

Obwohl wir versuchen wollten, alles selbst zu machen: Selbst mit gutem Spanisch kommt man nicht in alle Büros herein und die Abläufe sind sehr unübersichtlich. Klar sind 280 € auf Reisen nicht wenig, aber wir denken da man Zeit spart und wahrscheinlich sowieso „Gringoaufschlag“ zahlen würde, lohnt ein Zollagent auf alle Fälle!!!

 

Comments

comments

Write A Comment